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Verteidigung in Jugendstrafsachen

Das Jugendstrafrecht stellt ein auf die Besonderheiten von jungen Tätern zugeschnittenes Sonderstrafrecht dar. Deshalb bestehen einige Unterschiede gegenüber einem Strafverfahren gegen Erwachsene. Unser Team bestehend aus den Strafverteidigern Dr. Jörg Becker und Patrick Welke kann Sie im Jugendstrafrecht umfassend beraten. Rechtsanwalt Dr. Jörg Becker ist Fachanwalt für Strafrecht und seit vielen Jahren auch in Jugendstrafverfahren tätig. Seine jahrelange Erfahrung wird im Team von Rechtsanwalt Patrick Welke optimal ergänzt. Aufgrund seines Alters ist er besonders für die Bedürfnisse und Probleme von jungen Menschen sensibilisiert und kann sich in deren Lage hineinversetzen. Mit dieser Kombination können wir Ihnen eine effektive Strafverteidigung im Jugendstrafrecht gewährleisten. Nehmen Sie deshalb mit Rechtsanwalt Dr. Becker und Rechtsanwalt Welke Kontakt auf (Tel.: 06221 / 65 9 400) und vereinbaren Sie einen Beratungstermin.

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Für wen gilt das Jugendstrafrecht?

Anwendung findet das Jugendstrafrecht zwingend bei allen Jugendlichen. Jugendlicher ist, wer bei Begehung der Tat bereits vierzehn, aber noch nicht achtzehn Jahre alt ist. Daneben kann das Jugendstrafrecht nach § 105 JGG auch auf Heranwachsende angewendet werden. Heranwachsender ist, wer bei Begehung der Tat bereits achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist. Bei einem Heranwachsenden müssen für die Anwendung des Jugendstrafrechts aber zusätzliche Voraussetzungen erfüllt sein. Es kann einmal dann angewendet werden, wenn die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters ergibt, dass er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand. Hier sind die Gerichte in der Praxis sehr großzügig, sodass in den meisten Fällen auch auf Heranwachsende Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt. Zum anderen kann auch dann Jugendstrafrecht Anwendung finden, wenn es sich bei der Tat um eine sogenannte Jugendverfehlung handelt. Dies richtet sich nach der Art, den Umständen sowie den Beweggründen der Tat. Zum Beispiel bei Taten, die aus jugendlichem Leichtsinn oder unter Gruppenzwang durchgeführt werden, kann dies angenommen werden.

Was sind die Besonderheiten des Jugendstrafverfahrens?

Das Jugendstrafrecht ist stark durch den Erziehungsgedanken geprägt und soll vor allem zukünftigen weiteren Straftaten des Jugendlichen oder Heranwachsenden entgegenwirken. Gemäß § 38 JGG ist deshalb so früh wie möglich im Verfahren die Jugendgerichtshilfe zu beteiligen. Diese wird von den Jugendämtern in Zusammenarbeit mit Vereinigungen für Jugendhilfe ausgeübt. Die Jugendgerichtshilfe soll dabei vor allem die Persönlichkeit, die bisherige Entwicklung sowie das familiäre und soziale Umfeld des Beschuldigten erforschen. Die Verfahren gegen Jugendliche finden bei gesonderten Jugendgerichten statt. Dies können je nach der zu erwartenden Sanktion der Jugendrichter oder das Jugendschöffengericht beim Amtsgericht, sowie die Jugendkammern beim Landgerichts ein. Die Verhandlungen gegen einen Jugendlichen sind nach § 48 JGG nicht öffentlich. Damit soll verhindert werden, dass der Jugendliche entweder aufgrund der Zuschauer eingeschüchtert wird oder sich vor den Zuschauern besonders mit seinen Taten aufspielt.

Welche Sanktionen gibt es?

Ein ganz deutlicher Unterschied zwischen Jugendstrafrecht und Erwachsenenstrafrecht besteht in den unterschiedlichen Sanktionsmöglichkeiten. Während bei dem Erwachsenen als Hauptstrafen nur Freiheits- oder Geldstrafen verhängt werden können, bietet das Jugendstrafrecht eine Vielzahl möglicher Sanktionen. Durch diese vielfältigen Reaktionsmöglichkeiten soll individuell auf die Person des Jugendlichen eingegangen werden.

Als mildeste Sanktionsform sind zunächst die Erziehungsmaßregeln zu nennen. Dabei handelt es sich vor allem um Weisungen, die das Gericht dem Jugendlichen erteilen kann. Hier sind dem Gericht zahlreiche Möglichkeiten eröffnet, da das Gesetz die Weisungen nicht abschließend regelt. Häufig kommen in der Praxis die Weisungen vor, die sich auf den Aufenthaltsort beziehen, den Jugendlichen anweisen eine Ausbildung- oder Arbeitsstelle anzunehmen oder den Jugendlichen zur Arbeitsleistungen verpflichten. Kommt der Jugendliche unentschuldigt diesen Weisungen nicht in der gesetzten Frist nach, kann nach § 11 Abs. 3 JGG Ungehorsamsarrest angeordnet werden. In seltenen Fällen kann als weitere Erziehungsmaßregel neben den Weisungen dem Jugendlichen auch auferlegt werden, Hilfe zur Erziehung in Anspruch zu nehmen.
Wenn Erziehungsmaßregeln zur Einwirkung auf den Jugendlichen nicht ausreichen, kommen die Zuchtmittel in Betracht. In der Praxis eher weniger relevant ist dabei die Verwarnung, mit der dem Jugendlichen das Unrecht der Tat eindringlich vorgehalten werden soll. Häufiger finden die in § 15 JGG abschließend aufgeführten Auflagen Anwendung. Dabei kann das Gericht dem Jugendlichen auferlegen, nach Kräften den durch die Tat verursachten Schaden wiedergutzumachen, sich persönlich bei dem Verletzten zu entschuldigen, Arbeitsleistungen zu erbringen oder einen Geldbetrag zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung zu zahlen. Daneben steht dem Gericht als weiteres Zuchtmittel der Arrest zur Verfügung. Dieser kann in den Formen des Freizeitarrests, des Kurzarrests und des Dauerarrests angeordnet werden. Vollzogen wird der Arrest in speziellen Jugendarrestanstalten, in denen erzieherisch auf die Jugendlichen eingewirkt werden soll. Die Maximaldauer des Dauerarrests beträgt vier Wochen.

Die schwerste Sanktionsform des Jugendstrafrechts stellt die Jugendstrafe dar. Diese wird in gesonderten Justizvollzugsanstalten für Jugendliche, wie der JVA Adelsheim, vollzogen. Sie darf nur unter engen Voraussetzungen verhängt werden. Dies kann zum einen der Fall sein, wenn wegen der schädlichen Neigungen des Jugendlichen, die in der Tat hervorgetreten sind, Erziehungsmaßregeln oder Zuchtmittel zur Erziehung nicht ausreichen. Zum anderen kommt bei besonders schweren Straftaten auch Jugendstrafe in Betracht, wenn dies aufgrund der Schwere der Schuld erforderlich ist.

Kann das Verfahren eingestellt werden?

Gerade im Jugendstrafrecht gibt es durch §§ 45, 47 JGG zahlreiche Möglichkeiten ein Verfahren ohne Hauptverhandlung einvernehmlich abzuschließen. In vielen Fällen kann dies beispielsweise nach der Erbringung von gemeinnütziger Arbeit oder der Zahlung eines Geldbetrages erfolgen. Durch diese als Diversion bezeichnete Möglichkeit können viele mit der Durchführung einer Hauptverhandlung verbundenen Belastungen für den Jugendlichen umgangen werden. Deshalb ist es sinnvoll möglichst frühzeitig mit einem Strafverteidiger Kontakt aufzunehmen. Rechtsanwalt Dr. Jörg Becker und Rechtsanwalt Patrick Welke können für Sie zunächst Akteneinsicht beantragen (dies kann nur durch einen Rechtsanwalt erfolgen). Nach Akteneinsicht kann dann in einem Beratungsgespräch das weitere Vorgehen erörtert werden.

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